Patagonien und andere Abenteuer-Reiseziel

Puerto Natales: Was kann man in Patagoniens Tor zur Wildnis erleben?

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Puerto Natales, im Herzen des chilenischen Patagoniens gelegen, wird oft als bloßer Zwischenstopp auf dem Weg zum weltberühmten Torres del Paine Nationalpark betrachtet. Doch diese charmante Hafenstadt am Ufer des Seno Última Esperanza hat weit mehr zu bieten als ihre Funktion als Ausgangspunkt. Wer sich Zeit nimmt, die Umgebung zu erkunden, entdeckt beeindruckende Gletscher, prähistorische Höhlen, artenreiche Fjorde und authentische patagonische Kultur.

Für Reisende, die zu Beginn oder Ende der Wandersaison anreisen oder zwischen verschiedenen Expeditionen eine Pause einlegen möchten, bietet Puerto Natales zahlreiche Aktivitäten und Erlebnisse. Die Stadt verbindet raue Naturschönheit mit der Herzlichkeit ihrer Bewohner und schafft so eine einzigartige Atmosphäre, die jeden Besucher in ihren Bann zieht.

In diesem Artikel stellen wir Ihnen die besten Ausflüge und Aktivitäten rund um Puerto Natales vor – abseits der ausgetretenen Pfade des Torres del Paine. Von spektakulären Naturwundern über kulturelle Einblicke bis hin zu praktischen Reisetipps erfahren Sie alles, was Sie für Ihren Aufenthalt in dieser faszinierenden Region wissen müssen.

Was macht Puerto Natales zu einem besonderen Reiseziel?

Puerto Natales verbindet spektakuläre Natur mit authentischer patagonischer Kultur und dient als idealer Ausgangspunkt für Expeditionen in die abgelegenen Fjorde und Gletscher der Region.

Die Stadt liegt strategisch günstig zwischen den majestätischen Anden im Osten und den wilden patagonischen Fjorden im Westen. Mit knapp 20.000 Einwohnern hat Puerto Natales trotz seiner wachsenden touristischen Bedeutung einen authentischen Charakter bewahrt. Anders als andere Touristenzentren in der Region findet man hier noch das echte Leben der Patagonier.

Die Geschichte der Stadt reicht bis ins späte 19. Jahrhundert zurück, als deutsche und britische Siedler die Region erschlossen und eine florierende Schafzucht-Industrie aufbauten. Diese europäischen Einflüsse sind bis heute in der Architektur und Kultur spürbar. Die bunten Wellblechhäuser, die windschiefen Zäune und die gemütlichen Cafés verleihen der Stadt einen ganz eigenen Charakter.

Das Klima in Puerto Natales ist typisch patagonisch: wechselhaft, windig und überraschend. Doch gerade diese Unberechenbarkeit macht den Reiz der Region aus. Die dramatischen Wolkenformationen, das wechselnde Licht über den Bergen und die plötzlichen Regenschauer schaffen eine dynamische Landschaft, die sich stündlich verändert.

Welche Naturwunder kann man rund um Puerto Natales entdecken?

Cueva del Milodón: eine Reise in die Urzeit

Die Cueva del Milodón beherbergt die Überreste eines prähistorischen Riesenfaultiers und bietet faszinierende Einblicke in Patagoniens geologische Vergangenheit.

Etwa 24 Kilometer nordwestlich von Puerto Natales liegt dieses beeindruckende Naturmonument, das Geschichte zum Anfassen bietet. Die Haupthöhle erreicht eine Höhe von 30 Metern und eine Tiefe von 200 Metern – ihre schiere Größe ist atemberaubend. Im Jahr 1895 entdeckte der deutsche Siedler Hermann Eberhard in dieser Höhle ein Stück Tierhaut, das noch überraschend gut erhalten war.

Erst als der schwedische Paläontologe Erland Nordenskjöld die Höhle ein Jahr später untersuchte, wurde klar, dass die Haut von einem Mylodon stammte – einem prähistorischen Riesenfaultier, das vor etwa 10.000 Jahren ausgestorben war. Diese Entdeckung machte die Höhle zu einem wissenschaftlich bedeutsamen Ort und zu einer der wichtigsten paläontologischen Fundstätten Südamerikas.

Puerto Natales

Heute können Besucher eine lebensgroße Nachbildung des Mylodons in der Höhle bestaunen und sich vorstellen, wie diese gigantischen Tiere einst durch Patagonien streiften. Das gesamte Naturmonument umfasst mehrere Höhlen und geologische Formationen, darunter die mysteriöse „Silla del Diablo“ (Teufelsstuhl), ein natürlicher Felsvorsprung mit spektakulärem Ausblick.

Praktische Informationen:

  • Öffnungszeiten: täglich von 8:00 bis 20:00 Uhr (Sommersaison)
  • Eintritt: etwa 5.000 chilenische Pesos für Erwachsene
  • Empfohlene Besuchsdauer: 2-3 Stunden
  • Gut ausgebaute Wege, auch für Familien geeignet

Gletschertouren zu Serrano und Balmaceda

Kajaktouren durch die Fjorde zu den Gletschern Serrano und Balmaceda bieten ein unvergessliches Naturerlebnis inmitten der patagonischen Wildnis.

Die Gletscher Serrano und Balmaceda gehören zu den beeindruckendsten Naturwundern der Region. Sie liegen am nördlichen Ende des Eberhard-Fjords, wo massive Eismassen von den Bergen herab in die kalten Gewässer des Seno Última Esperanza fließen. Besonders abenteuerlustige Reisende können diese majestätischen Eisgiganten bei einer geführten Kajaktour erkunden.

Die Fahrt durch die mit Eisbergen gespickten Gewässer ist ein einzigartiges Erlebnis. Das türkisblaue Eis schimmert im patagonischen Licht, während das Knarzen und Knacken der Gletscher eine eindrucksvolle Geräuschkulisse bildet. Aufgrund der globalen Erwärmung ziehen sich beide Gletscher bedauerlicherweise zurück, was jede Tour zu einem zeitlich begrenzten Privileg macht.

Für weniger erfahrene Paddler oder Reisende, die den Komfort bevorzugen, werden auch Bootstouren angeboten. Von Bord der Ausflugsschiffe aus können Sie die natürliche Umgebung in Ruhe genießen. Unterwegs passieren Sie laute Seelöwenkolonien, die sich auf den Felsen sonnen, sowie zahlreiche Kormorane, die elegant über das Wasser gleiten.

Eine besonders reizvolle Option ist die Kombination dieser Gletschertour mit einem Besuch im Torres del Paine Nationalpark über den Serrano-Fluss. Diese Route bietet einen einzigartigen Zugang zum Nationalpark und vermeidet die überfüllten Straßen.

Wichtige Hinweise:

  • Beste Reisezeit: November bis März
  • Kajak-Erfahrung empfohlen, aber nicht zwingend erforderlich
  • Wasserdichte Kleidung und warme Schichten sind unerlässlich
  • Dauer: Tagestouren von 8-10 Stunden

Vogelbeobachtung am Seno Última Esperanza

Der Seno Última Esperanza ist ein Paradies für Vogelbeobachter mit über 15 einheimischen Arten, darunter Kormorane, Schwäne und die seltene Dampfschiffente.

Direkt vom Ufer von Puerto Natales aus lässt sich die faszinierende Vogelwelt Patagoniens beobachten. Der fjordähnliche Meeresarm bietet ideale Lebensbedingungen für eine Vielzahl von Wasservögeln. Zu den häufig gesichteten Arten gehören Kaiser- und Königskomorane, die sich durch ihre charakteristische schwarz-weiße Färbung auszeichnen.

Puerto Natales

Besonders beeindruckend sind die eleganten Schwarzhalsschwäne und Coscorobaschwäne, die majestätisch durch das Wasser gleiten. Chilepfeifenten und Schopfenten sind ebenfalls regelmäßige Gäste, ebenso wie die seltene Dampfschiffente – eine flugunfähige Art, die nur in diesem Teil Südamerikas vorkommt.

An sonnigen Tagen lohnt sich eine Radtour entlang des Ufers in nördlicher Richtung zum Eberhard-Fjord. Die gut ausgebauten Wege bieten exzellente Aussichtspunkte und führen durch Landschaften, in denen Sie mit etwas Glück auch Flamingos beobachten können, die in den flachen Lagunen nach Nahrung suchen.

Tipps für Vogelbeobachter:

  • Frühe Morgenstunden bieten die beste Sicht
  • Fernglas und Bestimmungsbuch mitnehmen
  • Die Uferwege sind gut für Fahrradtouren geeignet
  • Geduld mitbringen – die Vögel folgen den Gezeiten

Klettern an der Laguna Sofia

Die Laguna Sofia bietet Kletterrouten für Anfänger und Fortgeschrittene mit atemberaubenden Ausblicken auf patagonische Landschaften und die Möglichkeit, Andenkondore zu beobachten.

Etwa 40 Kilometer von Puerto Natales entfernt liegt die malerische Laguna Sofia, eingebettet zwischen schroffen Bergen und weiten Steppen. Der dortige Klettergarten ist ein Geheimtipp für Abenteuerlustige, die fernab der Touristenströme des Torres del Paine klettern möchten.

Die Routen sind besonders für Einsteiger geeignet, doch auch erfahrene Kletterer finden hier interessante Herausforderungen. Die Felsformationen bestehen aus solidem patagonischen Granit, der guten Halt bietet. Von den höheren Punkten aus eröffnen sich spektakuläre Panoramablicke über den See und die umliegenden Berge.

Ein besonderes Highlight ist die Möglichkeit, Andenkondore zu beobachten. Diese majestätischen Vögel mit ihrer beeindruckenden Flügelspannweite von über drei Metern nutzen die thermischen Aufwinde in der Region und kreisen oft elegant über den Kletterern. Die Begegnung mit diesen seltenen Tieren macht jeden Aufstieg zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Wichtige Informationen:

  • Organisierte Touren mit erfahrenen Guides verfügbar
  • Kletterausrüstung wird in der Regel gestellt
  • Moderate körperliche Fitness erforderlich
  • Auch Trekkingtouren rund um den See möglich

Wann ist die beste Reisezeit für Puerto Natales?

Die beste Reisezeit ist zwischen November und März (patagonischer Sommer), wenn die Temperaturen milder sind und die meisten Touren verfügbar sind.

Der patagonische Sommer bietet die angenehmsten Bedingungen für Outdoor-Aktivitäten. Die Durchschnittstemperaturen liegen zwischen 10 und 15 Grad Celsius, mit gelegentlichen Spitzenwerten bis 20 Grad an sonnigen Tagen. Die Tage sind lang – im Dezember wird es erst gegen 22 Uhr dunkel – was ausgedehnte Erkundungstouren ermöglicht.

Allerdings ist dies auch die Hauptreisezeit. Die Unterkünfte sollten im Voraus gebucht werden, und beliebte Touren können ausgebucht sein. Wer Menschenmassen meiden möchte, findet in den Übergangsmonaten Oktober und April eine gute Alternative. Das Wetter ist zwar unberechenbarer, aber die Natur zeigt sich in diesen Monaten von einer besonders farbenprächtigen Seite.

Der patagonische Winter (Juni bis August) ist rau und kalt, mit Temperaturen um den Gefrierpunkt. Viele Touranbieter schließen in dieser Zeit, und die Infrastruktur ist eingeschränkt. Für hartgesottene Abenteurer bietet der Winter jedoch eine einzigartige, fast menschenleere Patagonien-Erfahrung.

Packliste nach Jahreszeiten:

  • Sommer: Zwiebelprinzip, Regenjacke, Sonnenschutz, feste Wanderschuhe
  • Übergangszeit: zusätzlich Fleecejacke, Handschuhe, Mütze
  • Winter: komplette Winterausrüstung, thermische Unterwäsche

Wie erreicht man Puerto Natales?

Puerto Natales ist per Flug nach Punta Arenas (3 Stunden Busfahrt) oder per Bus von El Calafate (Argentinien) erreichbar.

Die meisten internationalen Reisenden fliegen zunächst nach Santiago de Chile und nehmen von dort einen Inlandsflug nach Punta Arenas, der südlichsten Stadt des chilenischen Festlandes. Von Punta Arenas aus verkehren mehrmals täglich Überlandbusse nach Puerto Natales. Die Fahrt dauert etwa drei Stunden und führt durch die weite patagonische Steppe.

Eine beliebte Alternative ist die Anreise von der argentinischen Seite über El Calafate. Die Busfahrt über die Grenze dauert etwa fünf Stunden und bietet spektakuläre Ausblicke auf die Andenlandschaft. Diese Route ist besonders für Reisende interessant, die beide Seiten der Patagonia erkunden möchten.

Kombinieren Sie Puerto Natales mit Australis

Puerto Natales ist weit mehr als ein Zwischenstopp – es ist ein Tor zu einigen der spektakulärsten Naturlandschaften unseres Planeten. Von prähistorischen Höhlen über majestätische Gletscher bis hin zu den wilden Fjorden Patagoniens bietet diese Region Erlebnisse, die jeden naturverbundenen Reisenden begeistern werden.

Wenn Sie die unberührte Schönheit Patagoniens in ihrer ganzen Pracht erleben möchten, laden wir Sie ein, dies mit der Erfahrung und dem Komfort von Australis zu tun. Seit Jahrzehnten navigieren unsere Expeditionsschiffe durch die legendären patagonischen Gewässer und bringen Reisende zu den entlegensten Winkeln dieser außergewöhnlichen Region. Puerto Natales ist eine perfekte Ergänzung zu Ihrer Australis-Expeditionskreuzfahrt.

An Bord unserer komfortablen Schiffe genießen Sie erstklassigen Service, erfahrene Guides und die Gewissheit, diese raue Wildnis sicher und nachhaltig zu erkunden. Entdecken Sie unsere Expeditionsrouten und lassen Sie sich von der ungezähmten Schönheit Patagoniens verzaubern – eine Reise, die Sie nie vergessen werden.

Häufig gestellte Fragen zu Puerto Natales

Wie viele Tage sollte man in Puerto Natales verbringen?

Mindestens 2-3 Tage, um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten ohne Zeitdruck zu entdecken. Ideal sind 4-5 Tage, wenn Sie mehrere Tagesausflüge unternehmen und auch die Stadt selbst kennenlernen möchten. Reisende, die Puerto Natales als Ausgangspunkt für den Torres del Paine nutzen, sollten zusätzliche Tage für den Nationalpark einplanen.

Ist Puerto Natales teuer?

Im Vergleich zu anderen chilenischen Städten ist Puerto Natales aufgrund seiner abgelegenen Lage und touristischen Bedeutung etwas teurer. Budget-Reisende finden Hostels ab 15-20 Euro pro Nacht, während komfortable Mittelklasse-Hotels zwischen 60 und 100 Euro kosten. Mahlzeiten in einfachen Restaurants beginnen bei etwa 10 Euro. Die Touren sind der größte Kostenfaktor, wobei Tagesausflüge zwischen 50 und 150 Euro liegen.

Kann man Puerto Natales ohne Auto erkunden?

Ja, Puerto Natales selbst ist kompakt und fußläufig zu erkunden. Für Ausflüge in die Umgebung werden organisierte Touren mit Transport angeboten. Viele Reiseveranstalter holen ihre Gäste direkt vom Hotel ab. Alternativ können Fahrräder gemietet werden, um nahegelegene Ziele wie das Ufer des Seno Última Esperanza zu erreichen. Ein Mietwagen ist praktisch, aber nicht zwingend erforderlich.

Welche Sprachen werden in Puerto Natales gesprochen?

Die Hauptsprache ist Spanisch. In Hotels, Restaurants und bei Touanbietern sprechen viele Mitarbeiter auch Englisch. Grundkenntnisse in Spanisch sind dennoch hilfreich, besonders wenn Sie abseits der touristischen Pfade unterwegs sind. Die lokale Bevölkerung schätzt jeden Versuch, ihre Sprache zu sprechen, und begegnet Reisenden mit großer Herzlichkeit.

Was sollte man unbedingt in Puerto Natales probieren?

Unbedingt probieren sollten Sie Cordero al palo (am Spieß gegrilltes Lamm), ein patagonisches Nationalgericht. Frische Meeresfrüchte wie Königskrabben und Miesmuscheln sind ebenfalls exzellent. Zum Nachtisch empfiehlt sich Calafate-Marmelade, hergestellt aus einer einheimischen Beere. Die lokalen Brauereien bieten handwerklich gebraute Biere, die perfekt zum Abend nach  einem langen Tag in der Natur passen.

Ursprünglich am 21. Juni 2018 veröffentlicht, aktualisiert am 23. Dezember 2025.

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