feuerlandindianer

Patagonien – Feuerlandindianer

Australis

Wer sich mehr für die Geschichte hinter den Einwohnern und ihren Ahnen interessiert, der dürfte von diesem Thema begeistert sein. Patagonien ist nicht nur ein wunderschönes Land, sondern bietet auch kulturell sehr viel. Besonders hervorzuheben sind hier die Feuerlandindianer.

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Wer sich nun fragt: „Feuerland, wo ist das denn?“, der muss sich nicht bemühen die Landkarte aus dem Keller zu suchen. Das Feuerland befindet sich an der Südspitze Südamerikas. Vom Festland ist das Feuerland durch die sogenannte Magellanstraße getrennt (benannt nach Ferdinand Magellan).

Soviel zur Geographie. Aber was hat es denn nun mit den Feuerlandindianern auf sich? Wie der Name schon vermuten lässt, sind sie ein Teil der patagonischen Indianerstämme. Sie werden unter dem Begriff „Patagonier“ zusammengefasst, da sie unter die südamerikanischen Indianerstämme der Chon-Sprachen fallen.

Feuerlandindianer sind Teil der südlichen Stämme und gliedern sich noch einmal in weitere Stämme, nämlich folgende: Halakwúlup, Selk’nam und der Stamm der Yámana. Jeder Stamm hat seine eigenen Besonderheiten, es bestehen aber auch Gemeinsamkeiten. Leider ist von dieser Kultur heute nicht mehr viel übrig, da ihre Stämme durch eurasische Siedler ausgerottet wurden. Diese Invasion hat bereits am Anfang des 20. Jahrhunderts stattgefunden. Um das Ausmaß der Dezimierung dieser Völker zu veranschaulichen gibt es diverse Statistiken. 1985 soll es laut Brockhaus nur noch etwa 50 Halakwúlup gegeben haben. Die Zahlen für die Yámana sind laut Chatwin bereits seit 1924 auf nur noch 50 gesunken (von 3000 im Jahre 1834).

Mit der Ausrottung der Völker sind auch ihre Sprachen verloren gegangen. 2006 gab es von den Halakwúlup nur noch 22 aktive Sprecher. Damit fällt die Sprache laut dem Summer Institute of Linguistics (International SIL) unter 8b, also eine fast ausgestorbene Sprache. Das Yaghan (auch Háusi Kúta genannt, Sprache der Yámana) zählt trotz einigen Versuchen von Linguisten, sie mit den anderen Sprachen der Feuerlandindianer in Verbindung zu bringen, zu den isolierten Sprachen.

Am meisten Informationen hat man aus heutiger Sicht von den Selk’nam. Der Ethnologe Martin Gusinde hat einen Band von über 1000 Seiten über das Volk geschrieben. Trotz der Vermutung, dass seine Forschungsarbeit teilweise sehr einseitig war, ist diese Arbeit sehr wertvoll, da er die einzige Person ist, die dieses Volk näher erforscht hat. Von dem Volk der Selk’nam weiß man beispielsweise, dass sie nomadisierende Jäger waren. Das heißt, dass dieser Stamm umhergezogen ist und sich während der Reise meist von selbst erlegten Tieren wie z.B. Kleintieren oder aber auch Guanakos (das Guanako ist Teil der Familie der Kamele und beheimatet im westlichen und südlichen Südamerika) ernährt hat. Guanakos wurden nicht nur gejagt und verzehrt, sondern aus ihnen haben die Indianer auch Kleidung gemacht. So hat man ihre Felle zu Mänteln verarbeitet und sogar als Decke zum Schlafen benutzt. Waren die Männer auf der Jagd, trugen sie das Fell in einer Dreiecksform um den Kopf gebunden, wohingegen Frauen zusätzlich zum Fellmantel noch einen Scharmschurz aus Leder getragen haben.

Für das Volk war das langandauernde Ritual „Hain“ von großer Bedeutung. Während dieses Festes kamen die Männer in einer Hütte zusammen und die Kloketen (Jugendliche) wurden in das Männerdasein überführt. Diese Jugendlichen wurden unter anderem auf ihre Ausdauer geprüft, in Mythen unterrichtet und es wurde gesungen und getanzt. Zudem hat man das Auftreten von Geistern nachgespielt. Da Frauen die Hütte der Männer auch nicht betreten durften, ist es bis heute unklar, ob die Frauen tatsächlich an die Echtheit der inszenierten Geister geglaubt haben. Es ist jedoch ein Fakt, dass Männer wie auch Frauen an Geister abseits dieses Theaters geglaubt haben.

Interessant ist es hierbei einen Vergleich zu den Yámana zu ziehen, welche an ein höchstes Wesen namens Vatauineva („der Alt, Unveränderliche, Ewige“) geglaubt haben. Dieses Wesen war in ihrer Religion kein Schöpfer, hat aber den Menschen und auch den Pflanzen und Tieren das Leben geschenkt. Er stand somit über allen anderen Geistern. Auch dieses Volk hatte eine Initiation der Jugendlichen, über deren genauen Ablauf allerdings nicht so viel bekannt ist. So haben sich trotz geographischer und kultureller Nähe verschiedene Religionen und Traditionen gebildet, während manches wie das Vorhandensein von Geistern und Rituale für die Jugendlichen bei beiden Kulturen Anwendung fand.

Abschließend ist festzuhalten, dass die Feuerlandindianer ein sehr interessantes Volk waren, die leider zu wenig erforscht wurden. Vielleicht gibt sich ja einer unserer Leser auf die Spuren dieser Stämme.

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